AndersNormal !


      Potenzial Hochsensibilität

 

     Zu sich finden - der Prozess

 

Im Folgenden möchte ich die Stationen des Prozesses schildern, der mit der Erkenntnis "Ich bin hochsensibel" beginnt und dann idealerweise seinen Lauf nimmt - hin zu einer authentischen, integeren und vitalen Persönlichkeit, die ihren Weg findet bzw. gefunden hat.


 Der (Selbst-) Erkenntnis folgt die

1. Selbstannahme und -akzeptanz: es erfolgt eine biografische Rückschau, eine Neuordnung - und bewertung der vergangenen Geschichte, Puzzleteile finden sich und erweitern das Selbst-Bild, verleugnete, unterdrückte und ungeliebte Anteile werden integriert

2. Verabschiedung von alten Überzeugungen und Glaubenssätzen, Loslassen hemmender Verhaltensmuster

3. Erkennen und Angehen von Entwicklungsaufgaben

4. Austausch und Verbindung mit anderen: Überwindung der Entfremdung von sich selbst und anderen. Verdeutlichung der Eigenartigkeit; das Anders-Sein kann als Variante und positiv erfahren werden

5. (Wieder-)Entdeckung eigener Potenziale 

6. In die Balance, in die Kraft und ins Handeln kommen: psychische, physische, emotionale, spirituelle Ausgewogenheit stellt sich ein


Dieser Prozess hat individuelle wie auch gesellschaftliche Relevanz. 

Auf individueller Ebene stellt sich die Frage: Wer bin ich?

Auf gesellschaftlicher Ebene: Was ist meine Aufgabe hier, inmitten der anderen?



Mögliche Entwicklungsaufgaben

"Ich bin nicht wie die anderen!" -> Sich vom eigenen und fremden Anpassungsanspruch lösen, Vergleiche mit anderen einstellen.


"Ich darf so sein wie ich bin!" -> Selbstannahme und -akzeptanz. Aufhören, sich falsch, defizitär und fremd zu fühlen und lernen, der eigenen                                                      Wahrnehmung zu vertrauen, weil sie real ist. Lernen, auf die innere Stimme und Körpersignale zu hören, der                                                      Intuition Raum zu geben.

 

"Ich sorge für ein angenehmes Erregungsniveau!" -> Ich erde und zentriere mich regelmäßig, ich kann mich selbst regulieren, ich sorge für                                                                                       ein gutes Verhältnis von Anspannung und Entspannung.


"Ich kann Grenzen setzen!" -> Innere und äußere Grenzen wahrnehmen, akzeptieren, kommunizieren, wahren. Das eigene Tempo und Maß                                                      finden.


"Ich sorge für meinen Körper!" -> Genügend Schlaf, Ruhe und Rückzug, ausreichend Nahrung und Flüssigkeit, Sauerstoff und Bewegung     


"Ich sorge für meinen Kopf!" -> Die Neugier, den Wissensdrang, die Lernlust angemessen befriedigen


"Ich verschaffe mir sichere Bindungserfahrungen!" -> Um ein Gefühl der inneren Sicherheit zu entwickeln, das Bedürfnis nach inniger                                                                                              Verbindung zu befriedigen, das Selbstwertgefühl zu nähren. Um zu erfahren, dass                                                                                            man nicht allein ist, ok ist, so wie man ist, dass man gesehen wird und willkommen ist.


"Ich lasse los!" -> Die Erwartung aufgeben, dass die anderen mich sehen, berücksichtigen, verstehen, an-erkennen ... und Übernahme der                                     Verantwortung für meine Bedürfnisse. Du kannst vielleicht in andere hineinsehen und -fühlen, aber nicht jede/r kann in dich                                  hineinsehen! 


"Ich sorge für meine Seele" -> Den inneren Raum weiten, stabilisieren, nähren.


 

Die eigenen Bedürfnisse zur Kenntnis nehmen

Eine wichtige Entwicklungsaufgabe ist die Wahrnehmung, Äußerung und Befriedigung der eigenen Bedürfnisse nach


-> Austausch und tiefen Gesprächen

-> Weiterentwicklung (theoretisch und praktisch)

-> kreativem Ausdruck

-> Ruhe, Kontemplation, (Selbst-)Reflexion

-> authentischer Nähe

-> uneingeschränkter Öffnung

-> Struktur und Ordnung

-> Sinn


Es kann außerdem notwendig und hilfreich sein, das Bedürfnis danach, andere "erziehen" und verändern zu wollen, aufzugeben!

 

Grenzen erschaffen Identität und Freiräume

Das Thema Grenzen hat für hochsensible Menschen eine besondere Bedeutung und umfasst die eigenen, inneren Grenzen genauso wie die, die im Außen und anderen gesetzt werden können, sollten, müssten. Grundlegend ist das Begreifen der Bedeutung von Grenzsetzung einerseits und Entgrenzung andererseits und dass ein tiefes Gefühl (oder eine große Sehnsucht nach) von Verbundenheit sich davon unterscheidet. Grenzen und Grenzsetzung werden üblicherweise mit Beschränkung gleichgesetzt und haben ein negatives Vorzeichen. Dabei wird übersehen, dass Grenzen auch eine Schutzfunktion übernehmen können und darüber hinaus ein Gebiet (innen oder außen) definieren, in dem ich mich frei bewegen kann. In diesem Gebiet kenne ich mich aus, bin mit allem dort vertraut und kann jederzeit entscheiden, wen ich wie lange und wozu einlasse, einlade oder auch nur über den Zaun kucken lasse.
Für die meisten HSP´s ist es eine grundlegende Aufgabe, sich der eigenen Grenzen bewusst zu werden, wie z. B. der Körper- oder Leistungsgrenze. Wo sollte ich mir in meinem Mitfühlen oder- leiden eine Grenze setzen, wo tut es mir nicht mehr gut, über etwas nachzudenken, wo und wann muss ich meinen perfektionistischen Anspruch beschränken? 
Und natürlich geht es auch darum, zu enge oder starre Grenzen aufzuspüren und diese zu erweitern, zu lockern, zu überschreiten.

Darüber hinaus ist es oft hilfreich, die Diskrepanz zwischen innerem Erleben und äußerem Geschehen bewusst wahr- und anzunehmen. Die sich hier zeigenden "Unverhältnismäßigkeiten" wollen ernst- und angenommen werden. Wenn wir ihre Berechtigung anerkennen, führt uns dies Schritt für Schritt zu mehr Vertrauen, Gelassenheit und Selbstsicherheit.